Schlagwort-Archiv: Presseverein Niederrhein-Ruhr

Workshop zur „Berichterstattung über Zuwanderung in den Medien“ in Duisburg

Wo seriöse Berichterstattung an Grenzen stößt
Von Petra Grünendahl

Zuwanderung aus Südosteuropa gibt es seit der Aufnahme von Bulgarien und Rumänien in die Europäische Union im Jahr 2007. Lange waren die Migranten kein Thema in den Medien – nicht in Duisburg und nicht deutschlandweit. Erst ab 2012 rückte besonders das Wohnhaus „In den Peschen“ in Duisburg-Rheinhausen in den medialen Fokus: Nicht nur lokal, sondern bundesweit schrieb es Schlagzeilen als „Problemhaus“. Rechtspopulisten fanden in der Umgebung des Hauses breite Zustimmung, die ihnen bei der Kommunalwahl einige Sitze im Stadtrat einbrachten. Nach Drohungen („Fackelt die Hütte ab“ war zum Beispiel in Hetz-Gruppen auf Facebook zu lesen) gab es Mahnwachen von Initiativen, die sich dort platzierten, das Leben der Hausbewohner zu schützen. Welches Bild von den Zuwanderern aus Südosteuropa zeichneten also insbesondere die lokalen Medien, dass sie solche Handlungsweisen begünstigten oder eventuell gar provozierten?

Was ist der Sumpf? Der Leser muss bis zum letzten Satz lesen, um festzustellen, dass etwas anderes gemeint ist, als das reißerisch aufgemachte Zitat vermuten lässt.
Was ist der Sumpf? Der Leser muss bis zum letzten Satz lesen, um festzustellen, dass etwas anderes gemeint ist, als das reißerisch aufgemachte Zitat vermuten lässt.
Zusammen mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) hatte der Presseverein Niederrhein-Ruhr e. V., Ortsverein des DJV in Duisburg, einen Workshop zum Thema „Berichterstattung über Zuwanderung in den Medien“ auf die Beine gestellt. Grundlage des Workshops war eine Medienanalyse des DISS über die „Einwanderung aus Südosteuropa nach Duisburg in lokalen Medien“, bei der die Wissenschaftler die zentralen Aussagen des Diskurses herausgearbeitet hatten. Neben der Leiterin des DISS, Dr. Margarete Jäger waren Iris Tonks und Zakaria Rahmani an dem Projekt beteiligt: Sie untersuchten die Berichterstattung in zwei Tageszeitungen (WAZ und Rheinische Post) sowie zwei Anzeigenblättern (Stadt-Panorama und Wochenanzeiger). […] Die Teilnehmer des Workshops empfanden die Reflektion auch über die eigene Arbeit als wichtigen Beitrag, der sie an manches Thema künftig vielleicht bewusster heran gehen lässt. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit der Studie und ihren Ergebnissen auseinander zu setzen.

Den vollständigen Bericht gibt es im nächsten DJV-Journal …

Kontakt und Informationen zur Studie:
Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS)
Siegstr. 15, 47051 Duisburg, http://www.diss-duisburg.de

© 2016 Petra Grünendahl

Presseverein besuchte neue Stadtbibliothek in Duisburg

Dr. Jan-Pieter Barbian führte eine Gruppe interessierter Duisburger Kollegen durch die neue Stadtbibliothek im Stadtfenster. Foto: Andreas Probst.
Dr. Jan-Pieter Barbian führte eine Gruppe interessierter Duisburger Kollegen durch die neue Stadtbibliothek im Stadtfenster. Foto: Andreas Probst.
Mehr Transparenz und Offenheit
im neuen Stadtfenster

Von Petra Grünendahl

„Wir haben hier unseren gesamten Medienbestand gut untergebracht, auch wenn die vorhandene Fläche hier kleiner ist als in dem alten Gebäude auf der Düsseldorfer Straße“, erklärte Dr. Jan-Pieter Barbian, seit 1999 Direktor der Stadtbibliothek in Duisburg. Allerdings ließen sich die großflächigen offenen Räumlichkeiten im Neubau wesentlich effizienter nutzen als die verwinkelten Räume am früheren Standort, verriet Barbian. Auf drei Etagen versammeln sich 320.000 Medien. Zehn Jahre nach Beginn erster Planungen kann die neue Stadtbibliothek bald an den Start gehen.
 
Presseverein besuchte neue Stadtbibliothek in Duisburg weiterlesen

Abgehoben: Zum Jubiläums-Sommerfest ging es in die Luft

Auch wenn man im Segelflieger allein oder maximal zu zweit in der Luft ist, so ist die Segelfliegerei kein Sport für Einzelkämpfer und Individualisten. Das fängt beim Zusammenbau des Segelfliegers an, geht über den Transport zum Startplatz und den Start über eine Seilwinde bis hin zur Luftaufsicht. Das ist Teamarbeit, denn: „Viele ehrenamtliche Helfer sind hier gefragt, die alle die Liebe zur Segelfliegerei zusammenhält“, erklärte Birgit Hennig-Friebe vom Vorstand des Flugvereins Niederrhein Duisburg e. V.

Der Duisburger Ortsverein des DJV, der Presseverein Niederrhein-Ruhr, feierte mit seinem Sommerfest zugleich sein Jubiläum unter dem Motto „Wir werden 50 und heben ab!“ beim Flugverein Niederrhein Duisburg. Seit 1955, nachdem in Duisburg der Flugplatz Neuenkamp der Industrieansiedlung zum Opfer gefallen war, ist der Duisburger Flugverein am Flugplatz Wesel-Römerwardt stationiert. Den Platz teilt man sich heute nur noch mit den Luftsportfreunden Wesel. Zeitweilig waren dort sieben Vereine beheimatet. Vereinsräume und Werkstatt hat sich der Flugverein unter den Bögen der Vorlandbrücke einer im zweiten Weltkrieg zerstörten Rheinbrücke ausgebaut – mit einem kleinen Biergarten davor. Beim Segelflug erkennt man auf der anderen Rheinseite noch einen Brückenpfeiler und Reste der früheren Eisenbahnbrücke im Rheinvorland.

Zwei Segelflugzeuge standen den Duisburger Journalisten für Rundflüge zur Verfügung – und das praktisch den ganzen Tag. Gesteuert wurden die Segler von den Fluglehrern Stefan und Thomas. Jeder, der wollte, kriegte auch einen Flug über Wesel, den Rhein und eine herrlichen Seenlandschaft ab. Außerdem nahm Freizeitpilotin Gisela Interessierte in ihrem privaten Motorsegler auf eine Runde über Wesel, Xanten und das nördliche Duisburg mit. Neben den Fliegern der beiden Flugvereine waren noch Fallschirmspringer unterwegs sowie ein Fluggerät mit Rotorblättern, welches wie ein offener Hubschrauber aussah. Damit sich in der Luft niemand in die Quere kommt, hält die Luftaufsicht in einem Container auf dem Flugplatz Funkkontakt zu allen fliegenden Objekten. Ehrenamtlich sorgen diese und andere Helfer an den Wochenenden für einen sicheren Flugbetrieb und geordnete technische Abläufe.


Unser Erster Vorsitzender hebt ab … 😉

„Toll war’s“, so die Meinung derer, die diesen Tag in vollen Zügen und mit herrlichen Blicken auch „von oben“ genossen hatten. Dass das Sommerfest als Tagestermin angesetzt war, hatte wohl den einen oder anderen abgeschreckt. Was einen Kollegen mit weiteren Terminverpflichtungen nicht hinderte, wenigstens für einen halben Tag vorbeizukommen. Wer gar nicht dabei war, hatte auf jeden Fall was verpasst!

Wer mal beim Segelfliegen schnuppern möchte, findet Informationen beim Flugverein Niederrhein Duisburg e. V. unter http://www.fnd.de.

© 2013 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Wir überarbeiten unseren Internet-Auftritt

ACHTUNG:
Wir überarbeiten zur Zeit unsere Seiten und bitten noch um ein wenig Geduld,
bis die Seiten wieder mit Inhalten gefüllt sind.

Vielen Dank an Stefan Endell, der in den letzten Jahren die Internet-Seiten des Presseverein Niederrhein-Ruhr bestückt und gepflegt hat. Aus seiner Zeit stammen die Rückblicke aus den Jahren 2002 bis 2012 (siehe Archiv).

******************************************************

© 2013

Rückblick 2012: Journalisten-Treff mit Klaus-Peter Schmid

Ehemaliger ZEIT-Redakteur K. P. Schmid zu Gast

Es hört sich an wie ein verrückter Kriminalroman und es ist doch ein ganz und gar reales und wahres Stück aus der jüngsten deutsch-französischen Zeitgeschichte des 2.Weltkrieges: Ein deutscher Spion und doch kein Nazis, das besetzte Frankreich, eine vom Theater träumende Französin, Krieg und Tod, Liebe und Leidenschaft, Hochstapelei, Flucht und Verfolgung und ein großes Vermögen, das als rätselhaftes Testament in den 80er Jahren dem deutsch-französischen Jugendwerk in den Schoß gefallen ist. Dies war das packende Thema einer Veranstaltung, zu der der Presseverein Niederrhein-Ruhr zusammen mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg am 24. Januar 2011 in das neu eröffnete, feine „Kuhlenwall-Karree“ der Sparkasse Duisburg geladen hatte. In diese unglaubliche Story führte der renommierte und mittlerweile pensionierte Frankreich-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, Klaus-Peter Schmid, sein Duisburger Publikum ein. Am Ende kam Schmid zu dem Schluss, dass man die „Widmung des vergifteten Erbes für einen guten Zweck“ auch als einen „Akt moralischer Geldwäsche“ betrachten könne.

Klaus-Peter Schmid (Mitte) war 30 Jahre lang Redakteur bei Der Zeit in Hamburg, u.a. viele Jahre als Korrespondent in Frankreich und Brüssel. In Duisburg berichtete er über sein Buchprojekt von einer vergifteten Erbschaft an das Deutsch-Frz. Jugendwerk (DFJW). Links: Wolfgang Schwarzer, Präsident der Dt.-Frz. Gesellschaft Duisburg, rechts Stefan Endell (DFG Duisburg) und bis 2010 der langjährige Vorsitzende des Pressevereins Niederrhein-Ruhr.
Klaus-Peter Schmid (Mitte) war 30 Jahre lang Redakteur bei Der Zeit in Hamburg, u.a. viele Jahre als Korrespondent in Frankreich und Brüssel. In Duisburg berichtete er über sein Buchprojekt von einer vergifteten Erbschaft an das Deutsch-Frz. Jugendwerk (DFJW). Links: Wolfgang Schwarzer, Präsident der Dt.-Frz. Gesellschaft Duisburg, rechts Stefan Endell (DFG Duisburg) und bis 2010 der langjährige Vorsitzende des Pressevereins Niederrhein-Ruhr.
Auch die Rheinische Post hat berichtet …

Rückblick 2008: Journalisten-Treff mit Günter Wallraff

Ali zu Besuch bei Ali in Duisburg
Günter Wallraff zu Gast beim 5. Journalisten-Treff des Pressevereins Niederrhein-Ruhr

Günter Wallraff
Günter Wallraff

Wo ist Günter Wallraff? Diese Frage hatte Doppelsinn am Samstagabend, 24. Mai, als wahre Menschenmassen zur Akzente-Lesung in die Zentralbibliothek Duisburg pilgerten, um Deutschlands berühmtesten Enthüllungs-Journalisten live zu erleben. 400 Plätze waren flugs gefüllt. Soviel saßen noch nie in dem Saal. Eingeladen hatte der Deutsch-Tunesische Kulturverein, der Presseverein Niederrhein-Ruhr war sein Kooperationspartner. Das Interesse an Wallraff, es ist ungebrochen. Obwohl seit den 90er Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten, kann Wallraff weiterhin von altem Ruhme zehren.

Legendär die 13 unerwünschten Reportagen aus dem Jahr 1969, für die er in die Rolle eines Alkoholikers in einer psychiatrischen Klinik schlüpfte, oder in die eines Obdachlosen, eines Studenten auf Zimmersuche sowie eines vermeintlichen Napalmlieferanten für die US-Armee. 1977 arbeitete Wallraff dreieinhalb Monate lang als Redakteur bei der Bild-Zeitung in Hannover. In dem Bestseller „Der Aufmacher – Der Mann, der bei „Bild“ Hans Esser war“ schilderte er später seine Erfahrungen in der Lokalredaktion Hannover und weist der Bild-Zeitung schwere journalistische Versäumnisse und unsaubere Recherchemethoden nach. Der Deutsche Presserat sprach daraufhin sechs Rügen gegen die Bild-Zeitung aus und rügte aber auch Wallraff für seine „nicht zulässige verdeckte Recherche“. Dann der Aufschlag in Duisburg: 1983 hatte Wallraff unter falscher Identität als türkischer Leiharbeiter Ali bei Thyssen Stahl in Hamborn angeheuert und dort miserable Arbeitsbedingungen erlebt und aufgedeckt.

Thomas Münten spricht mit Günter Wallraff
Thomas Münten spricht mit Günter Wallraff

 

Als Kuli in der Masse schaut dir ja kein Mensch ins Gesicht“
25 Jahre danach ist er wieder undercover unterwegs. Aber wo war er an diesem Samstagabend? Die Uhr zeigte 19.59 Uhr, kein Wallraff in Sicht. Vor der Türe der Bibliothek in Duisburg steht Ali Houzi, der Präsident des Kulturvereins und seinerzeit bei Thyssen ein tunesischer Arbeitskollege von Wallraff, alias „Ali“. Er schwitzt Blut und Wasser, der Verzweiflung nahe telefoniert er den Akku seines Handys leer. Drinnen im Saal 400 erwartungsfrohe Zuschauer. Rekordzahl. Sitzt Wallraff schon undercover zwischen ihnen?
Nein, er war verspätet. „Ich komme immer auf den Punkt genau!“, sagt er lächelnd und eilt zu seinem Publikum. Wo war es schlimmer, fragt ihn WDR-Moderator Thomas Münten; damals bei Thyssen in Duisburg, oder jetzt im Hunsrück als Billiglöhner beim Brötchen-Bäcker für Lidl? Beim Brötchenbäcker, antwortet Wallraff schnell: „Dort gab es noch weniger Arbeitsschutz und noch mehr Entsolidarisierung der Beschäftigten.“ Aber bei Thyssen in Duisburg, da würde er doch gerne mal wieder arbeiten, diesesmal ganz offiziell, nicht verdeckt. Um mal zu schauen, ob es heute, 25 Jahre nach „Ganz unten“ besser läuft in Duisburg-Beeckerwerth. Aber auch Wallraff ist ja älter geworden. 65 Jahre alt ist er heute.

Ist sein Gesicht für Undercover-Aktionen denn nicht längst zu bekannt? Im Gegenteil, es werde immer einfacher. „Als Kuli in der Masse schaut dir ja kein Mensch ins Gesicht“, sagt er. Der Billiglöhner, der spielt im Betrieb einfach keine Rolle, er ist ein Nichts. Leichtes Spiel also, in die Rolle eines Nichts zu schlüpfen. Erst recht, wenn man, wie beim Brotbäcker im Hunsrück, auch noch eine Art Mundschutz im Gesicht hatte. Da sieht man gar nichts mehr vom eingeschmuggelten Wallraff. Und der Verfassungsschutz, so grinst der Kölner Journalist, der habe ihm mal attestiert, er habe ein „schwer zu observierendes Allerweltsgesicht“. Na bestens! Im Augenblick, so bekennt Wallraff, sei er wieder verdeckt unterwegs, eine ganz heikle Sache, nichts könne er dazu andeuten. Weswegen er den Auftritt bei den Duisburger Akzenten eigentlich gar nicht machen wollte. Er habe es dann aber aus Freundschaft zu Ali Houzi getan. Ali besucht Ali. Bei der neuen Undercover-Aktion, sagt Wallraff, da habe ihn selbst seine Tochter nicht mehr erkannt. Die Maskerade sei einfach perfekt.

Eine Gewerkschaft-Stiftung müsste her …
Wallraff liest aus seiner Reportage, die er zum 1. Mai für „Die Zeit“ geschrieben hat, berichtet den Duisburger Zuhörern eindrucksvoll aus der „Brötchenhölle“ im Hunsrück; sein Text ist schnörkellos, seine Rede wirkt leicht gehetzt, keine Zeit für eitle Kapriolen, so als ob seine Enttarnung gerade bevor stehe. Soviel hat der Mann mitzuteilen. Er berichtet von elenden Verbrennungen an Händen und Armen mit heißen Backblechen, von Einschüchterungen, Angst und Schimmelpilz, alles für das tägliche Billig-Brötchen für Lidl. Seine Botschaft an das Duisburger Publikum: Nicht nur was ein Brötchen kostet und wie es schmeckt, darf den Menschen interessieren, sondern auch unter welchen Arbeitsbedingungen es in die Tüte gelangt ist. Und er zitiert Heinrich Böll: „Es müsste viele Wallraffs geben“ hatte der einmal gesagt. Wenn ganze Heerscharen von Enthüllern durch die Lande ziehen würden, aufdeckten, wo die Rechte der Menschen am Arbeitsplatz, die doch Menschenrechte seien, mit den Füßen getreten werden, müsste am Ende eine bessere Gesellschaft herauskommen. Eine Gewerkschafts-Stiftung, so sinniert Wallraff, könnte so etwas organisieren. Junge Journalisten könnten bei Firmen anheuern, nachschauen, was da los ist, und dann aufdecken, berichten, anklagen. So wie er es tut, seit einer Ewigkeit.

© 2008 Stefan Endell

Rückblick 2008: Journalisten-Treff mit Peter Merseburger

Von Merseburger gespiegelt
Ex-Panorama-Chef und ehemaliger Spiegel-Redakteur stellte seine Augstein-Biografie vor.

Stefan Endell begrüßt Peter Merseburger
Stefan Endell begrüßt Peter Merseburger

Wo denn er während der berühmt-berüchtigten Hausdurchsuchung der Spiegel-Redaktion im Oktober 1962 gewesen sei, wurde Peter Merseburger am Dienstag nach seiner Lesung in der Zentralbliothek gefragt. Diese Frage hatte der Mann, der einige Jahre in der Hamburger Spiegelredaktion gearbeitet hatte, bevor er dann als „Panorama”-Moderator und TV-Korrespondent zu den bekanntesten deutschen Journalisten zählte, erwartet.

Er schmunzelt und erzählt seine Anekdote: Die Spiegel-Affaire habe er – mitten in der Kuba-Krise – im fernen Havana erlebt. „Wir hockten mit ein paar Kollegen aus Europa im Hotel und warteten darauf, dass die Amerikaner einmarschierten. Plötzlich ,” so Merseburger, „sagt da ein Kollegen zu mir „Hör mal, ich glaube deine Zeitung zu Hause, die gibt es gar nicht mehr.”

Wer die ganze Geschichte, voll reicher Detals und interessanter Einschätzungen erfahren will, der muss sich die Biografie kaufen, die Peter Merseburger (Jg. 1928) über den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein geschrieben hat. Am vergangenen Dienstag lieferte er auf Einladung des Vereins für Literatur und Kunst und des Pressevereines Niederrhein-Ruhr daraus eine Lese-Kostprobe ab.

Peter Merseburger
Peter Merseburger. Foto: Stefan Endell

Einhundert interessierte Zuhörer erfuhren bekannte aber auch gänzlich unbekannte Seiten des „Spiegel“-Machers, der 2002 im Alter von 79 Jahren starb. Zum Beispiel, dass Augstein während der Spiegel-Affaire alles andere als eine heroische Figur abgab. Ja Augstein versuchte sich sogar aus der Verantwortung zu winden („…habe den Artikel vor der Veröffentlichung gar nicht gekannt…”). Aus der U-Haft schreibt er einen Artikel über das Alte Testament. „Das hat die völlig verunsicherte Spiegel-Redaktion auch nicht gerade aufgerüttelt”, spottet Merseburger. Die öffentliche Zuwendung machte den „Spiegel” am Ende gleichwohl zum moralischen Sieger, er mutiert endgültig zum „Sturmgeschütz der Demokratie” und die Menschen begannen, dem Obrigkeitsstaat den Rücken zuzukehren.

Augstein, der junge Katholik aus der Hannoveraner Bürgerfamilie, der 23-jährige rotzfreche Journalist, der den Langmut der britischen Besatzungsmacht bis aufs Äußerste ausreizte, Augstein, der FDP-Politiker, der Machtmensch, der Realist und Zyniker – all diese Figuren beleuchtet Merseburger in seinem Besuch, skizzierte Merseburger bei seiner hoch interessanten Lesung. Allein – der Abend verging zu schnell.

© 2008 Stefan Endell