Schlagwort-Archiv: Duisburg

Presseverein Niederrhein-Ruhr e. V. bestätigt Thomas Münten als Vorsitzenden

Journalisten kritisieren schleichenden Abbau von Nachrichtenvielfalt

„Die zunehmende Tendenz, durch neue Beschäftigungsformen die journalistischen Tageshonorare für die gleiche Arbeit zu halbieren, ist ein Unding“, stellte Thomas Münten, Vorsitzender des Pressevereins Niederrhein-Ruhr, in der Diskussionsrunde zur aktuellen Situation im Journalismus in Duisburg klar. Das trifft vor allem die zunehmende Zahl von freien Journalisten, deren wirtschaftliche Lage häufig prekär ist. Das gilt nicht nur, aber auch im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Trotz Gebührenfinanzierung werden Honorare auf breiter Front gedrückt, Arbeitsbedingungen schwieriger, und fällige Honorarzahlungen hinausgezögert. Hier will sich der Presseverein künftig vor Ort klarer auch in der Öffentlichkeit positionieren und Missstände aufzeigen. Auch der schleichende Abbau der Nachrichtenvielfalt in Duisburg soll thematisiert werden.

Bei der Mitgliederversammlung des Pressevereins Niederrhein-Ruhr ging es natürlich der Austausch zu berufsständischen Themen, die allen Kollegen unter den Nägeln brennen. Neben den Tätigkeitsberichten des vergangenen Jahres standen die Planungen fürs kommende Jahr zur Aussprache: Themen sind da zum Beispiel „Zuwanderung in der Berichterstattung“ in Zusammenarbeit mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) oder der zunehmende Einsatz von Drohnen und die rechtlichen Rahmenbedingungen – sowie ein Familienfest im Zoo am 12. September.

Vorsitzender Thomas Münten (2. v. r.) dankte bei der Jahreshauptversammlung seinem ausscheidenden Stellvertreter Frank Kopatschek (m.) im Kreise von Vorstandskollegen (v. l.): Andreas Probst, Vorsitzender des Unterstützungsvereins und Beisitzer, Kassenprüfer Georg Lohmann sowie Schriftführer Klaus Johann.  Foto: Petra Grünendahl.
Vorsitzender Thomas Münten (2. v. r.) dankte bei der Jahreshauptversammlung seinem ausscheidenden Stellvertreter Frank Kopatschek (m.) im Kreise von Vorstandskollegen (v. l.): Andreas Probst, Vorsitzender des Unterstützungsvereins und Beisitzer, Kassenprüfer Georg Lohmann sowie Schriftführer Klaus Johann. Foto: Petra Grünendahl.
Turnusgemäß standen Vorstandswahlen an: Thomas Münten wurde einstimmig für die nächsten zwei Jahre als 1. Vorsitzender wiedergewählt. Sein Stellvertreter Frank Kopatschek trat aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an. Der Vorstand dankte dem ehemaligen Pressesprecher des Oberbürgermeisters und Leiter der NRZ-Lokalredaktion für sein Engagement. Nachfolger wurde Oliver Kühn, der als Volontär beim Medienhaus Funke arbeitet. Sowohl Schatzmeister Stephan Hochrebe als auch Schriftführer Klaus Johann wurden in ihren Ämtern bestätigt. Beisitzer sind Andreas Probst, Andreas Sadrina, Petra Grünendahl und Tanja Pickartz. Als Kassenprüfer fungieren Georg Lohmann und Heiner Christinck. Andreas Probst bleibt überdies für weitere zwei Jahre Vorsitzender des Unterstützungsvereins des DJV Duisburg, als zweiter Vorsitzender wurde Rainer Zimmermann bestätigt.

© 2015 Petra Grünendahl

Wir überarbeiten unseren Internet-Auftritt

ACHTUNG:
Wir überarbeiten zur Zeit unsere Seiten und bitten noch um ein wenig Geduld,
bis die Seiten wieder mit Inhalten gefüllt sind.

Vielen Dank an Stefan Endell, der in den letzten Jahren die Internet-Seiten des Presseverein Niederrhein-Ruhr bestückt und gepflegt hat. Aus seiner Zeit stammen die Rückblicke aus den Jahren 2002 bis 2012 (siehe Archiv).

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© 2013

Rückblick 2012: Journalisten-Treff mit Klaus-Peter Schmid

Ehemaliger ZEIT-Redakteur K. P. Schmid zu Gast

Es hört sich an wie ein verrückter Kriminalroman und es ist doch ein ganz und gar reales und wahres Stück aus der jüngsten deutsch-französischen Zeitgeschichte des 2.Weltkrieges: Ein deutscher Spion und doch kein Nazis, das besetzte Frankreich, eine vom Theater träumende Französin, Krieg und Tod, Liebe und Leidenschaft, Hochstapelei, Flucht und Verfolgung und ein großes Vermögen, das als rätselhaftes Testament in den 80er Jahren dem deutsch-französischen Jugendwerk in den Schoß gefallen ist. Dies war das packende Thema einer Veranstaltung, zu der der Presseverein Niederrhein-Ruhr zusammen mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg am 24. Januar 2011 in das neu eröffnete, feine „Kuhlenwall-Karree“ der Sparkasse Duisburg geladen hatte. In diese unglaubliche Story führte der renommierte und mittlerweile pensionierte Frankreich-Korrespondent der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, Klaus-Peter Schmid, sein Duisburger Publikum ein. Am Ende kam Schmid zu dem Schluss, dass man die „Widmung des vergifteten Erbes für einen guten Zweck“ auch als einen „Akt moralischer Geldwäsche“ betrachten könne.

Klaus-Peter Schmid (Mitte) war 30 Jahre lang Redakteur bei Der Zeit in Hamburg, u.a. viele Jahre als Korrespondent in Frankreich und Brüssel. In Duisburg berichtete er über sein Buchprojekt von einer vergifteten Erbschaft an das Deutsch-Frz. Jugendwerk (DFJW). Links: Wolfgang Schwarzer, Präsident der Dt.-Frz. Gesellschaft Duisburg, rechts Stefan Endell (DFG Duisburg) und bis 2010 der langjährige Vorsitzende des Pressevereins Niederrhein-Ruhr.
Klaus-Peter Schmid (Mitte) war 30 Jahre lang Redakteur bei Der Zeit in Hamburg, u.a. viele Jahre als Korrespondent in Frankreich und Brüssel. In Duisburg berichtete er über sein Buchprojekt von einer vergifteten Erbschaft an das Deutsch-Frz. Jugendwerk (DFJW). Links: Wolfgang Schwarzer, Präsident der Dt.-Frz. Gesellschaft Duisburg, rechts Stefan Endell (DFG Duisburg) und bis 2010 der langjährige Vorsitzende des Pressevereins Niederrhein-Ruhr.
Auch die Rheinische Post hat berichtet …

Rückblick 2010: Gewerkschaftstag in Duisburg

Gewerkschaftstag NRW 2010 in Duisburg . . . Gemeinsam für die gemeinsame Sache eintreten: Unter diesem Motto stand der Gewerkschaftstag des DJV-NRW am Samstag, den 24. April 2010, in der Mercatorhalle in Duisburg. Mit den Verwerfungen in der aktuellen Medienlandschaft befasste sich der Landesvorsitzende Helmut Dahlmann in seiner Eröffnungsansprache vor den rund 160 Delegierten und Gästen. Er verband den Rückblick auf das Jahr 2009 mit dem klaren Appell: "Wir müssen gemeinsam und wahrnehmbar für unsere Belange einstehen!" Das gelte nicht nur für die vielen Fälle, in denen Redaktionen geschlossen, zusammengelegt oder in tariflose Gesellschaften verschoben worden seien. "Gerade um die Vergütungsregeln für freie Journalisten an Tageszeitungen durchzusetzen, ist Solidarisierung notwendig. Das hat das Beispiel des Bonner General-Anzeigers gezeigt, der seinen hauptberuflich tätigen Freien jetzt neue, bessere Verträge anbietet - nachdem die sich zusammengeschlossen haben." Der Presseverein Niederrhein-Ruhr, der mit seinem Vorsitzenden Stefan Endell nach 15 Jahren wieder einmal den Gewerkschaftstag in Duisburg ausgerichtet hatte, war mit 14 Mitgliedern - so viel wie noch nie - auf der Tagung vertreten. Foto von links: Matthias Lorscheid, Andreas Probst, Thomas Richter, Gerd Klinkhardt, Florian Müller, Heiner Christinck, Hans-Peter Schmidt, Klaus Johann, Stefan Endell, Nino Sologashvili, Patrizia Guzman, Frank Kopatscheck, Annette Kalscheuer, Barbara Merten-Kemper. (Foto: Schmidtke)
Gewerkschaftstag NRW 2010 in Duisburg . . . Gemeinsam für die gemeinsame Sache eintreten: Unter diesem Motto stand der Gewerkschaftstag des DJV-NRW am Samstag, den 24. April 2010, in der Mercatorhalle in Duisburg. Mit den Verwerfungen in der aktuellen Medienlandschaft befasste sich der Landesvorsitzende Helmut Dahlmann in seiner Eröffnungsansprache vor den rund 160 Delegierten und Gästen. Er verband den Rückblick auf das Jahr 2009 mit dem klaren Appell: „Wir müssen gemeinsam und wahrnehmbar für unsere Belange einstehen!“ Das gelte nicht nur für die vielen Fälle, in denen Redaktionen geschlossen, zusammengelegt oder in tariflose Gesellschaften verschoben worden seien. „Gerade um die Vergütungsregeln für freie Journalisten an Tageszeitungen durchzusetzen, ist Solidarisierung notwendig. Das hat das Beispiel des Bonner General-Anzeigers gezeigt, der seinen hauptberuflich tätigen Freien jetzt neue, bessere Verträge anbietet – nachdem die sich zusammengeschlossen haben.“ Der Presseverein Niederrhein-Ruhr, der mit seinem Vorsitzenden Stefan Endell nach 15 Jahren wieder einmal den Gewerkschaftstag in Duisburg ausgerichtet hatte, war mit 14 Mitgliedern – so viel wie noch nie – auf der Tagung vertreten. Foto von links: Matthias Lorscheid, Andreas Probst, Thomas Richter, Gerd Klinkhardt, Florian Müller, Heiner Christinck, Hans-Peter Schmidt, Klaus Johann, Stefan Endell, Nino Sologashvili, Patrizia Guzman, Frank Kopatscheck, Annette Kalscheuer, Barbara Merten-Kemper. (Foto: Schmidtke)

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Gewerkschaftstag NRW 2010 in Duisburg . . .
Gemeinsam für die gemeinsame Sache eintreten: Unter diesem Motto stand der Gewerkschaftstag des DJV-NRW am Samstag, den 24. April 2010, in der Mercatorhalle in Duisburg. Mit den Verwerfungen in der aktuellen Medienlandschaft befasste sich der Landesvorsitzende Helmut Dahlmann in seiner Eröffnungsansprache vor den rund 160 Delegierten und Gästen. Er verband den Rückblick auf das Jahr 2009 mit dem klaren Appell: „Wir müssen gemeinsam und wahrnehmbar für unsere Belange einstehen!“ Das gelte nicht nur für die vielen Fälle, in denen Redaktionen geschlossen, zusammengelegt oder in tariflose Gesellschaften verschoben worden seien. „Gerade um die Vergütungsregeln für freie Journalisten an Tageszeitungen durchzusetzen, ist Solidarisierung notwendig. Das hat das Beispiel des Bonner General-Anzeigers gezeigt, der seinen hauptberuflich tätigen Freien jetzt neue, bessere Verträge anbietet – nachdem die sich zusammengeschlossen haben.“ Der Presseverein Niederrhein-Ruhr, der mit seinem Vorsitzenden Stefan Endell nach 15 Jahren wieder einmal den Gewerkschaftstag in Duisburg ausgerichtet hatte, war mit 14 Mitgliedern – so viel wie noch nie – auf der Tagung vertreten. Foto von links: Matthias Lorscheid, Andreas Probst, Thomas Richter, Gerd Klinkhardt, Florian Müller, Heiner Christinck, Hans-Peter Schmidt, Klaus Johann, Stefan Endell, Nino Sologashvili, Patrizia Guzman, Frank Kopatscheck, Annette Kalscheuer, Barbara Merten-Kemper. (Foto: Schmidtke)

Auch der DJV NRW hat berichtet …

Rückblick 2008: Journalisten-Treff mit Günter Wallraff

Ali zu Besuch bei Ali in Duisburg
Günter Wallraff zu Gast beim 5. Journalisten-Treff des Pressevereins Niederrhein-Ruhr

Günter Wallraff
Günter Wallraff

Wo ist Günter Wallraff? Diese Frage hatte Doppelsinn am Samstagabend, 24. Mai, als wahre Menschenmassen zur Akzente-Lesung in die Zentralbibliothek Duisburg pilgerten, um Deutschlands berühmtesten Enthüllungs-Journalisten live zu erleben. 400 Plätze waren flugs gefüllt. Soviel saßen noch nie in dem Saal. Eingeladen hatte der Deutsch-Tunesische Kulturverein, der Presseverein Niederrhein-Ruhr war sein Kooperationspartner. Das Interesse an Wallraff, es ist ungebrochen. Obwohl seit den 90er Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten, kann Wallraff weiterhin von altem Ruhme zehren.

Legendär die 13 unerwünschten Reportagen aus dem Jahr 1969, für die er in die Rolle eines Alkoholikers in einer psychiatrischen Klinik schlüpfte, oder in die eines Obdachlosen, eines Studenten auf Zimmersuche sowie eines vermeintlichen Napalmlieferanten für die US-Armee. 1977 arbeitete Wallraff dreieinhalb Monate lang als Redakteur bei der Bild-Zeitung in Hannover. In dem Bestseller „Der Aufmacher – Der Mann, der bei „Bild“ Hans Esser war“ schilderte er später seine Erfahrungen in der Lokalredaktion Hannover und weist der Bild-Zeitung schwere journalistische Versäumnisse und unsaubere Recherchemethoden nach. Der Deutsche Presserat sprach daraufhin sechs Rügen gegen die Bild-Zeitung aus und rügte aber auch Wallraff für seine „nicht zulässige verdeckte Recherche“. Dann der Aufschlag in Duisburg: 1983 hatte Wallraff unter falscher Identität als türkischer Leiharbeiter Ali bei Thyssen Stahl in Hamborn angeheuert und dort miserable Arbeitsbedingungen erlebt und aufgedeckt.

Thomas Münten spricht mit Günter Wallraff
Thomas Münten spricht mit Günter Wallraff

 

Als Kuli in der Masse schaut dir ja kein Mensch ins Gesicht“
25 Jahre danach ist er wieder undercover unterwegs. Aber wo war er an diesem Samstagabend? Die Uhr zeigte 19.59 Uhr, kein Wallraff in Sicht. Vor der Türe der Bibliothek in Duisburg steht Ali Houzi, der Präsident des Kulturvereins und seinerzeit bei Thyssen ein tunesischer Arbeitskollege von Wallraff, alias „Ali“. Er schwitzt Blut und Wasser, der Verzweiflung nahe telefoniert er den Akku seines Handys leer. Drinnen im Saal 400 erwartungsfrohe Zuschauer. Rekordzahl. Sitzt Wallraff schon undercover zwischen ihnen?
Nein, er war verspätet. „Ich komme immer auf den Punkt genau!“, sagt er lächelnd und eilt zu seinem Publikum. Wo war es schlimmer, fragt ihn WDR-Moderator Thomas Münten; damals bei Thyssen in Duisburg, oder jetzt im Hunsrück als Billiglöhner beim Brötchen-Bäcker für Lidl? Beim Brötchenbäcker, antwortet Wallraff schnell: „Dort gab es noch weniger Arbeitsschutz und noch mehr Entsolidarisierung der Beschäftigten.“ Aber bei Thyssen in Duisburg, da würde er doch gerne mal wieder arbeiten, diesesmal ganz offiziell, nicht verdeckt. Um mal zu schauen, ob es heute, 25 Jahre nach „Ganz unten“ besser läuft in Duisburg-Beeckerwerth. Aber auch Wallraff ist ja älter geworden. 65 Jahre alt ist er heute.

Ist sein Gesicht für Undercover-Aktionen denn nicht längst zu bekannt? Im Gegenteil, es werde immer einfacher. „Als Kuli in der Masse schaut dir ja kein Mensch ins Gesicht“, sagt er. Der Billiglöhner, der spielt im Betrieb einfach keine Rolle, er ist ein Nichts. Leichtes Spiel also, in die Rolle eines Nichts zu schlüpfen. Erst recht, wenn man, wie beim Brotbäcker im Hunsrück, auch noch eine Art Mundschutz im Gesicht hatte. Da sieht man gar nichts mehr vom eingeschmuggelten Wallraff. Und der Verfassungsschutz, so grinst der Kölner Journalist, der habe ihm mal attestiert, er habe ein „schwer zu observierendes Allerweltsgesicht“. Na bestens! Im Augenblick, so bekennt Wallraff, sei er wieder verdeckt unterwegs, eine ganz heikle Sache, nichts könne er dazu andeuten. Weswegen er den Auftritt bei den Duisburger Akzenten eigentlich gar nicht machen wollte. Er habe es dann aber aus Freundschaft zu Ali Houzi getan. Ali besucht Ali. Bei der neuen Undercover-Aktion, sagt Wallraff, da habe ihn selbst seine Tochter nicht mehr erkannt. Die Maskerade sei einfach perfekt.

Eine Gewerkschaft-Stiftung müsste her …
Wallraff liest aus seiner Reportage, die er zum 1. Mai für „Die Zeit“ geschrieben hat, berichtet den Duisburger Zuhörern eindrucksvoll aus der „Brötchenhölle“ im Hunsrück; sein Text ist schnörkellos, seine Rede wirkt leicht gehetzt, keine Zeit für eitle Kapriolen, so als ob seine Enttarnung gerade bevor stehe. Soviel hat der Mann mitzuteilen. Er berichtet von elenden Verbrennungen an Händen und Armen mit heißen Backblechen, von Einschüchterungen, Angst und Schimmelpilz, alles für das tägliche Billig-Brötchen für Lidl. Seine Botschaft an das Duisburger Publikum: Nicht nur was ein Brötchen kostet und wie es schmeckt, darf den Menschen interessieren, sondern auch unter welchen Arbeitsbedingungen es in die Tüte gelangt ist. Und er zitiert Heinrich Böll: „Es müsste viele Wallraffs geben“ hatte der einmal gesagt. Wenn ganze Heerscharen von Enthüllern durch die Lande ziehen würden, aufdeckten, wo die Rechte der Menschen am Arbeitsplatz, die doch Menschenrechte seien, mit den Füßen getreten werden, müsste am Ende eine bessere Gesellschaft herauskommen. Eine Gewerkschafts-Stiftung, so sinniert Wallraff, könnte so etwas organisieren. Junge Journalisten könnten bei Firmen anheuern, nachschauen, was da los ist, und dann aufdecken, berichten, anklagen. So wie er es tut, seit einer Ewigkeit.

© 2008 Stefan Endell

Rückblick 2008: Journalisten-Treff mit Peter Merseburger

Von Merseburger gespiegelt
Ex-Panorama-Chef und ehemaliger Spiegel-Redakteur stellte seine Augstein-Biografie vor.

Stefan Endell begrüßt Peter Merseburger
Stefan Endell begrüßt Peter Merseburger

Wo denn er während der berühmt-berüchtigten Hausdurchsuchung der Spiegel-Redaktion im Oktober 1962 gewesen sei, wurde Peter Merseburger am Dienstag nach seiner Lesung in der Zentralbliothek gefragt. Diese Frage hatte der Mann, der einige Jahre in der Hamburger Spiegelredaktion gearbeitet hatte, bevor er dann als „Panorama”-Moderator und TV-Korrespondent zu den bekanntesten deutschen Journalisten zählte, erwartet.

Er schmunzelt und erzählt seine Anekdote: Die Spiegel-Affaire habe er – mitten in der Kuba-Krise – im fernen Havana erlebt. „Wir hockten mit ein paar Kollegen aus Europa im Hotel und warteten darauf, dass die Amerikaner einmarschierten. Plötzlich ,” so Merseburger, „sagt da ein Kollegen zu mir „Hör mal, ich glaube deine Zeitung zu Hause, die gibt es gar nicht mehr.”

Wer die ganze Geschichte, voll reicher Detals und interessanter Einschätzungen erfahren will, der muss sich die Biografie kaufen, die Peter Merseburger (Jg. 1928) über den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein geschrieben hat. Am vergangenen Dienstag lieferte er auf Einladung des Vereins für Literatur und Kunst und des Pressevereines Niederrhein-Ruhr daraus eine Lese-Kostprobe ab.

Peter Merseburger
Peter Merseburger. Foto: Stefan Endell

Einhundert interessierte Zuhörer erfuhren bekannte aber auch gänzlich unbekannte Seiten des „Spiegel“-Machers, der 2002 im Alter von 79 Jahren starb. Zum Beispiel, dass Augstein während der Spiegel-Affaire alles andere als eine heroische Figur abgab. Ja Augstein versuchte sich sogar aus der Verantwortung zu winden („…habe den Artikel vor der Veröffentlichung gar nicht gekannt…”). Aus der U-Haft schreibt er einen Artikel über das Alte Testament. „Das hat die völlig verunsicherte Spiegel-Redaktion auch nicht gerade aufgerüttelt”, spottet Merseburger. Die öffentliche Zuwendung machte den „Spiegel” am Ende gleichwohl zum moralischen Sieger, er mutiert endgültig zum „Sturmgeschütz der Demokratie” und die Menschen begannen, dem Obrigkeitsstaat den Rücken zuzukehren.

Augstein, der junge Katholik aus der Hannoveraner Bürgerfamilie, der 23-jährige rotzfreche Journalist, der den Langmut der britischen Besatzungsmacht bis aufs Äußerste ausreizte, Augstein, der FDP-Politiker, der Machtmensch, der Realist und Zyniker – all diese Figuren beleuchtet Merseburger in seinem Besuch, skizzierte Merseburger bei seiner hoch interessanten Lesung. Allein – der Abend verging zu schnell.

© 2008 Stefan Endell

Rückblick 2007: Journalisten-Treff mit Heiko Engelkes

Neugier auf den Mann vor der Paris-Tapete
Heiko Engelkes, Ex-ARD-Paris-Korrespondent war zu Gast beim „3. Journalistentreff“ des DJV Duisburg.

Thomas Münten spricht mit Heiko Engelkes
Thomas Münten spricht mit Heiko Engelkes
„Ich war nie einer von jenen bedingungslosen Frankophilen“, sagt jener Mann, der jahrzehntelang der deutschen Fernsehnation tiefe Einblicke in die politische und gesellschaftliche Gemütslage unseres französischen Nachbarn gegeben hat. Er sei zufällig an diese Position gekommen, die ihn aber dann gepackt habe. Dieses Bekenntnis machte Heiko Engelkes, langjähriger ARD-Frankreich-Korrespondent, seit ein paar Jahren bereits außer Diensten, beim 3. Journalistentreff des Pressevereines Niederrhein-Ruhr in der Zentralbibliothek.

Wer ist denn Segolene?
Zum zweiten Mal hatte die Deutsch-Französische Gesellschaft zusammen mit der Stadtbibliothek, der Deutsch-Frz. Gesellschaft Duisburg und dem Verein für Literatur und Kunst zur „Französischen Woche“ geladen, die mit einer Reihe von gut besuchten Veranstaltungen an den Jahrestag des historisch gewordenen 22. Januars 1963 erinnerten: An diesem Tag unterzeichneten Adenauer und de Gaulle den so genannten Elysee-Vertrag, den Deutsch-Frz. Freundschaftsvertrag, der im Rückblick als ein Grundstein und Modell zugleich für eine gelungene Versöhnung von einst bitter verfeindeten Nationen angesehen wurde.

kringsGut hundert Besucher waren neugierig auf den Mann, den sie nur von der Mattscheibe vor der „Paris-Tapete“ kannten: aus der Tagesschau, den Tagesthemen oder aus unzähligen TV-Sondersendungen über Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs, oder über Lady Dianas tragischen Tod in Paris, über die Grimaldis in Monaco oder über die Filmfestspiele von Cannes.

Zu Gast in Duisburg plauderte Engelkes im Gespräch mit WDR-Mann Thomas Münten wunderbar informativ über Deutsch-Französisches („Die deutsche Presse wird in Frankreich nicht wirklich wahrgenommen, das Fernsehen mit seinen Bildern wird etwas ernster genommen.“) und über rein Französisches. Im April küren die Franzosen ihr neues Oberhaupt („Der Präsident von Frankreich ist mächtiger als irgendein Diktator auf dieser Welt“). Nicht umsonst hat er sein jüngstes Buch „König Jacques“. genannt.

engelkes_200Engelkes ordnete ein: Wer ist eigentlich Sarkozy, wer diese Segolene Royal? Er schilderte spannende Momente aus einem ereignisreichen Journalistenleben, zum Beispiel die für einen TV-Mann enorm hektischen Stunden und Tage nach dem spektakulären Tod von Lady Di.

© 2007 Stefan Endell

Rückblick 2006: Journalisten-Treff mit Franz Alt

Ein Prediger bei den Akzenten
Gut zweihundert Zuhörer kamen in die Zentralbibliothek, um Franz Alt, den ehemaligen TV-Journalisten und Ex-„Report“-Chef zu erleben.

franzaltEs war schon früher ein Vergnügen, den TV-Journalisten Franz Alt zu erleben. Damals als er noch regelmäßig auf der Mattscheibe erschien, wo er mit spitzbübischem Lächeln, wortgewaltig und streitbar, aus Baden-Baden das ARD-Magazin „Report“ moderierte. Und für Meinungsvielfalt in betonierter TV-Einfalt sorgte.

Am Dienstag Abend konnte man ihn zwei Stunden lang in der Zentralbibliothek erleben. Dort war er auf Einladung des Vereins für Literatur und Kunst und des Pressevereines Niederrhein-Ruhr zu Gast bei den „Akzenten“. Und gut zweihundert Zuhörer kamen herbei, um sich selber ein Bild zu machen von einem Mann, den sie bislang nur von Bildern kannten.

Der Christenmensch und studierte Theologe, mittlerweile 68 Jahre alt und nicht mehr fest in Diensten des Fernsehens, aber regelmäßiger Gast auf Kirchentagen, nachgefragter Vortragsreisender links und rechts des Äquators, Prediger in Sachen „Schöpfung bewahren“, hatte keine Mühe, sein Publikum zu faszinieren. In Windeseile, oder sagen wir besser „in Windeskraft-Eile“.

Stefan Endell begrüßt die Gäste des Journalisten-TreffsVordergründig ging es um sein neues Buch „Eine bessere Welt ist möglich – Ein Marshallplan für Arbeit, Entwicklung und Freiheit“, das er zusammen mit Rupert Neudeck und Rosi Gollmann geschrieben hat. Hintergründig ging es um alles; um unser (Über-)Leben auf diesem Planeten, um einen fairen Ausgleich zwischen Arm und Reich, um die Fähigkeit sich zukunftsfähig zu machen. Täglich, so Alt, sterben auf der Welt 26 000 Kinder an Unterernährung, aber in Deutschland streitet man über das Dosenpfand, baut VW den benzinfressenden, idiotischen „Phaeton“ und der Bundesbürger jammert und jammert und macht Bürgerinitaitiven gegen die Windkraft, weil die Räder so hässlich seien. Deutschland liegt in „Oberjammergau“ wie Franz Alt spottete.

Beispiel: Die Energiefrage. „Es gibt kein Energieproblem auf die Welt, wir haben nur ein Brett vorm Kopf, wir kaufen teures Erdöl und wir ignorieren die Sonne, die Erdwärme, die Biomasse, Wind und Wasser. Energie ist im Überfluss da, wir müssen sie nur nutzen.“Zwei Stunden dauerte die Altsche Öko-Politik-Moral-Predigt. Am Ende war das Publikum total erschöpft und doch erfrischt zugleich.

© 2006 Stefan Endell

Rückblick 2005: Kamingespräch im Haus der Unternehmer

Die Experten waren (v.r.) Fritz Gisk, Geschäftsführer der Duisburger Arbeitsagentur, Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakoniewerkes Duisburg sowie Thomas Keuer, Bezirkssekretär der Gewerkschaft verdi
Die Experten waren (v.r.) Fritz Gisk, Geschäftsführer der Duisburger Arbeitsagentur, Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakoniewerkes Duisburg sowie Thomas Keuer, Bezirkssekretär der Gewerkschaft verdi
KAMINGESPRÄCHE
… heißt eine neue Gesprächsreihe, die der Presseverein Niederrhein-Ruhr (Duisburg) zusammen mit der Unternehmerverbandsgruppe aufgelegt hat. Am 15. März trafen sich im „Haus der Unternehmer“ Mitglieder des Pressevereines sowie Mitglieder des Unternehmerverbandes, um „off the records“ und in freier Rede mit eingeladenen Experten über das aktuelle Thema „Hartz IV“ zu reden. Die Experten waren Fritz Gisk, Geschäftsführer der Duisburger Arbeitsagentur, Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakoniewerkes Duisburg sowie Thomas Keuer, Bezirkssekretär der Gewerkschaft verdi. Nach der Zusammenlegung von Sozialhilfe mit der Arbeitslosenhilfe werden in Duisburg 42.000 Arbeitslose gezählt. Die Einführung des ALGII, so die einhellige Meinung an diesem Abend, sei richtig gewesen, doch – und hier wurde interessant kontrovers gesprochen – kann man vom Prinzip des Förderns und Forderns tatsächlich arbeitsmarktpolitische Effekte erwarten? In Duisburg, so erinnerte Verdi-Sekretär Keuer, stünden einer offenen Stelle 39 Arbeitssuchende gegenüber, in NRW seien es 16, in Deutschland seien es 13 Suchende. Während die Bundesregierung in den fünf neuen Ländern bei exakt vergleichbarer „Duisburger Lage“ wie selbstverständlich Arbeitsmarktprogramme auflege, sei davon im Westen der Republik keine Rede. Wieso eigentlich? Vertreter der Wirtschaft wie der Presse waren beide gleichermaßen angetan von einer anregenden Begegnung mit interessanten Menschen und Meinungen. Die Duisburger Kamingespräche werden mit anderen Themen und anderer Besetzung im „Haus der Unternehmer“ fortgesetzt.

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Rückblick 2003: Journalisten-Treff mit Gerd Ruge

ruge1_579Gerd Ruge … unterwegs in Duisburg
Von Sonja Volkmann NEUE RUHR ZEITUNG, 20. Februar 2003

Gerd Ruge – ein Name, der seit Jahrzehnten für feinste journalistische Analyse und bewegende Reportagen steht. Unzähligen Fernsehzuschauern hat der bekannte „TV-Dino“ bereits Einblicke in die Wohnzimmer russischer Dorfbewohner oder die Cafes von Pristina gewährt. Jetzt war der mittlerweile 74-jährige Ausnahmejournalist zu Gast beim ersten „Journalisten-Treff“ in der Duisburger Zentralbibliothek an der Düsseldorfer Straße.

Mit Ruge als prominentem Gesprächsgast hatte der Presseverein Niederrhein Ruhr einen fulminanten Auftakt zu dieser neuen Talk- und Vortragsreihe. Etwa 150 Zuhörer – die meisten von ihnen Nichtjournalisten – lauschten gebannt den Erzählungen Ruges.

ruge_2Zwar etwas nuschelnd, aber einfühlsam, bildhaft und zuweilen mit einem Schuss gut verträglichem Humor schilderte der ehemalige China-, Russland- und Amerika-Korrespondent, Chefredakteur und Redaktionsleiter packende Erlebnisse von seinen zahlreichen Auslandsreisen. WDR-Moderator Thomas Münten entlockte dem Fernseh-Urgestein auch so manche interessante Kleinigkeit. „Es war schon eine schwierige Art zu arbeiten, aber sehr spannend“, erinnerte sich Ruge an seine Anfangszeit in Moskau in den 50er Jahren, als der KGB jeden seiner Schritte verfolgte.

ruge_3Angst habe er schon oft gehabt, erzählt er. Aber nicht um sich. Er habe das jeweilige Land schließlich immer verlassen können. Vielmehr habe er sich um seine Kollegen gesorgt, die im Lande bleiben mussten. „Eine bewegende Zeit“, sinnierte der Dinosaurier der Auslandsreportage.

ruge_4Gerd Ruge hat im Laufe seiner Berufsjahre wahrlich viel gesehen. Not, Elend, Leid und Tod. Aber auch die kleinen, die schönen Momente. In den zwei Stunden in Duisburg hat er davon nur einen klitzekleinen Ausschnitt erzählen können. Den Zuhören zeigte sich der Journalist im Ruhestand, der „als Rentner versagt hat“, wie es in dem kleinen Eingangsfilm gesagt wurde, als ein sympathischer, weltoffener Reisender. Ein Reisender, dem daran liegt, dass seine Zuschauer verstehen, was in den Ländern, die er besucht hat, und hauptsächlich mit den Menschen dort geschieht.

ruge_5Der „Journalist der alten Schule“ hat „seinen“ Gästen ein Stück jener magischen Leidenschaft gezeigt, von der Stefan Endell, Vorstandsmitglied des Pressevereins, in seiner Begrüßung gesprochen hatte. Eine Leidenschaft, aus „dem Beruf nicht rauszukommen“, wie Ruge sagt. Eine Leidenschaft, wegen der es abends keinen Feierabend gibt. Und eine Leidenschaft, die den Vollblutreporter auch heute noch umtreibt, die auf jeden Film, der eigentlich der letzte sein sollte, einen neuen folgen lässt. Seine neuesten Erkundungen zeigt die ARD kurz vor Ostern. Dieses Mal war Ruge in Afghanistan. „Es hat mich irgendwie interessiert, was da passiert.“ So einfach ist die Erklärung dafür, dass der Ruheständler nicht zur Ruhe kommt.

© 2003 Sonja Volkmann