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ABGESAGT: Journalisten-Treff am 15. November: Die Türkei, die Integration und der lange Arm des Erdogan

Wegen Erkrankung eines Referenten findet der Termin nicht tatt. Die Veranstaltung wird neu geplant.

Der DJV Duisburg lädt diesmal nicht (nur) zum Prominentengucken, sondern zum Thema: Die Türkei, die Integration und der lange Arm des Erdogan.

Baha Güngör. Foto: privat.
Hüsseyn Topel. Foto: privat.

Bisher stehen auf der Talkliste des Journalisten-Treffs:
Baha Güngör, ehemaliger Redaktionsleiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle und mehrfacher Buchautor zum Thema, sowie
Hüsseyn Topel, deutsch-türkischer Journalist aus NRW mit Einreiseverbot in die Türkei.

In der Cafeteria der Stadtbibliothek an der Steinschen Gasse am Donnerstag, 15. November 2018, um 19.30 Uhr. Jeder interessierte Gast ist willkommen. Unkostenbeitrag: 5 Euro.

Journalisten-Talkshow zum Thema Radio in der Zentralbibliothek

„Warum durften wir nicht mit WDR2 älter werden?“
Von Petra Grünendahl

„Früher haben die Radio-Redakteure eher gemacht, was sie selber interessierte. Heute fragt man: ‚Interessiert es Susanne und Andreas?’, denn wenn es der Zielgruppe nicht gefällt, sinken die Quoten“, plauderte Tom Hegermann aus dem Nähkästchen. Früher moderierte er bei WDR2: Das Programm wurde aber musikalisch immer „mainstreamiger“ (der Computer sucht heute die Musik aus), Wortbeiträge kürzer. Der Zuschnitt wurde auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet: 29 bis 49 Jahre heißt die Zielgruppe, obwohl die Hörerschaft immer noch etwas über die Altersklasse liegt. Journalistisch war das für Hegermann ebenso wie für Uwe Schulz, dem zweiten Podiumsgast und ebenfalls viele Jahre WDR2-Moderator, immer weniger interessant. Beide wechselten zu WDR5, um wieder anspruchsvolleres Radio machen zu können. „Obwohl sie mir noch eine neue Sendung auf WDR2 angeboten haben“, so Schulz. „Man wollte uns nicht mit unserem Sender zusammen älter werden lassen“, bedauerten die beiden Moderatoren. Der Wechsel war die logische Konsequenz.

TalkShow Duisburger Journalisten im Café im Stadtfenster (v. l.): Tom Hegermann, Thomas Münten und Uwe Schulz. Foto: Petra Grünendahl.
Ins Café im Stadtfenster hatte der Presseverein Niederrhein-Ruhr, Ortsverein des DJV (Deutscher Journalisten-Verband) in Duisburg, zu einer Talkshow den Radio-Moderatoren Tom Hegermann und Uwe Schulz eingeladen: Der Ortsvereinsvorsitzende Thomas Münten führte das Gespräch. Hintergründig und kurzweilig gestalteten die erfahrenen Sprecher – auch Moderator Münten hatte Radio gemacht, bevor er zum Fernsehen ging – die Veranstaltung im gut besuchten Bibliothekscafé an der Steinschen Gasse.

Thomas Münten versprach zum Abschluss eine Weiterführung der Veranstaltungsreihe, die als „Journalisten-Treff“ schon früher Publikum ins Lesecafe der alten Stadtbücherei an der Düsseldorfer Straße gezogen hatte. Ein guter Anfang ist gemacht: Publikumsresonanz und Fragen an das Podium zeigten, dass eine solches Veranstaltungsformat Zukunft hat.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Rückblick 2008: Journalisten-Treff mit Peter Merseburger

Von Merseburger gespiegelt
Ex-Panorama-Chef und ehemaliger Spiegel-Redakteur stellte seine Augstein-Biografie vor.

Stefan Endell begrüßt Peter Merseburger
Stefan Endell begrüßt Peter Merseburger

Wo denn er während der berühmt-berüchtigten Hausdurchsuchung der Spiegel-Redaktion im Oktober 1962 gewesen sei, wurde Peter Merseburger am Dienstag nach seiner Lesung in der Zentralbliothek gefragt. Diese Frage hatte der Mann, der einige Jahre in der Hamburger Spiegelredaktion gearbeitet hatte, bevor er dann als „Panorama”-Moderator und TV-Korrespondent zu den bekanntesten deutschen Journalisten zählte, erwartet.

Er schmunzelt und erzählt seine Anekdote: Die Spiegel-Affaire habe er – mitten in der Kuba-Krise – im fernen Havana erlebt. „Wir hockten mit ein paar Kollegen aus Europa im Hotel und warteten darauf, dass die Amerikaner einmarschierten. Plötzlich ,” so Merseburger, „sagt da ein Kollegen zu mir „Hör mal, ich glaube deine Zeitung zu Hause, die gibt es gar nicht mehr.”

Wer die ganze Geschichte, voll reicher Detals und interessanter Einschätzungen erfahren will, der muss sich die Biografie kaufen, die Peter Merseburger (Jg. 1928) über den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein geschrieben hat. Am vergangenen Dienstag lieferte er auf Einladung des Vereins für Literatur und Kunst und des Pressevereines Niederrhein-Ruhr daraus eine Lese-Kostprobe ab.

Peter Merseburger
Peter Merseburger. Foto: Stefan Endell

Einhundert interessierte Zuhörer erfuhren bekannte aber auch gänzlich unbekannte Seiten des „Spiegel“-Machers, der 2002 im Alter von 79 Jahren starb. Zum Beispiel, dass Augstein während der Spiegel-Affaire alles andere als eine heroische Figur abgab. Ja Augstein versuchte sich sogar aus der Verantwortung zu winden („…habe den Artikel vor der Veröffentlichung gar nicht gekannt…”). Aus der U-Haft schreibt er einen Artikel über das Alte Testament. „Das hat die völlig verunsicherte Spiegel-Redaktion auch nicht gerade aufgerüttelt”, spottet Merseburger. Die öffentliche Zuwendung machte den „Spiegel” am Ende gleichwohl zum moralischen Sieger, er mutiert endgültig zum „Sturmgeschütz der Demokratie” und die Menschen begannen, dem Obrigkeitsstaat den Rücken zuzukehren.

Augstein, der junge Katholik aus der Hannoveraner Bürgerfamilie, der 23-jährige rotzfreche Journalist, der den Langmut der britischen Besatzungsmacht bis aufs Äußerste ausreizte, Augstein, der FDP-Politiker, der Machtmensch, der Realist und Zyniker – all diese Figuren beleuchtet Merseburger in seinem Besuch, skizzierte Merseburger bei seiner hoch interessanten Lesung. Allein – der Abend verging zu schnell.

© 2008 Stefan Endell